Vipera berus berus

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Inhaltsverzeichnis

Deutscher Name

Kreuzotter

Allgemeines

Dieser Artikel von Kurt Orth wurde in der Salamandra, Bonn, 28: 121-124 veröffentlicht

Im August 1981 erhielt ich von Herrn Richard Schneider vier Nachzuchttiere von Vipera berus berus. Wie mir Herr Schneider mitteilte, wurden die Tiere am 30.6.1981 geboren und stammten von schwarzen Elterntieren aus der Umgebung von Vohenstrauß ab. Sie waren davor viermal mit Teilen von nackten Mäusen gestopft worden und ca. 17 cm lang.

WA-Schutzstatus

Arten und Unterarten

Beschreibung

Farbvarianten

Vorkommen und Verbreitung

Lebensraum und Lebensweise

Gift

Haltung

Terrarientyp und -größe

Die kleinen Vipern wurden in ein Terrarium mit den Maßen 80 x 35 x 40 cm gesetzt, dessen Bodengrund aus Walderde, bedeckt mit Moospolstern besteht. Das Terrarium ist mit Efeu, Brombeeren und Farn bepflanzt und enthält zwei Korkeichenstücke als Unterschlupf und zum Sonnen.

Terrarieneinrichtung

Als Wärmequelle dient ein Strahler von 60 Watt. Schon am nächsten Tag nahmen alle Tiere nackte, junge Mäuse an, die sie gut verdauten. Die Geschlechter lassen sich schon nach der Geburt gut an der Färbung und den unterschiedlichen Schwanzlängen bestimmen. Mit drei Jahren erreichten sie die Geschlechtsreife.


Klimatische Bedingungen

Beleuchtungsdauer

Winterruhe

Alle Tiere wurden jedes Jahr von Ende Oktober bis Ende Februar in kleinen Terrarien in einem Kellerraum überwintert. Als Substrat verwendete ich nasses Moos (Trutnau 1981). Die Temperatur im Keller beträgt im Herbst etwa 10° C und sinkt im Winter bis + 3° C. Eine Winterstarre wurde nicht beobachtet, auch bei 3° C reagierten die Tiere bei Kontrollen mit Züngeln und Bewegungen. Gleiche Beobachtungen machte auch Schiemenz (1985)[1].


Häutung

Bis November hatten sich die Vipern drei Mal gehäutet und waren kräftig genug für eine dreimonatige Überwinterung. Im nächsten Jahr häuteten sie sich sechs Mal und erreichten eine Länge von etwa 50cm. Die Anzahl der Häutungen dürfte auf die optimalen Temperaturen im Terrarium zurückzuführen sein (Schiemenz 1987)[2]. Nach drei Jahren übersiedelte ein Paar der Tiere in ein Freilandterrarium von 7 x 4 m.

Nahrung

Ich füttere die erwachsenen Vipern alle zwei Wochen mit einer Maus, aber die Männchen fressen im Sommer nur noch etwa eine Maus im Monat und ab September meist nichts mehr (Schiemenz 1987)[2]. Im Gegensatz zu Muschketat (1989)[3] kann ich die Erfahrungen von Holzberger (1981)[4] über eine geringere Attraktivität von Labormäusen verglichen mit Wildmäusen, bestätigen. Jedoch gehen alle Tiere bei mir ohne Schwierigkeiten an Labormäuse, auch an weiße.


Verhalten

Neigten die frischgeborenen Vipern bei Störungen noch zu Abwehrbissen, so waren die eingewöhnten Kreuzottern sehr ruhige, nichtagressive Tiere (Muschketat 1989))[3], die schon nach kurzer Zeit das Futter von der Pinzette nahmen und selbst bei Berührungen mit dem Schlangenhaken weder flüchteten noch zischten. Bei Gewöhnung an tote Mäuse als Nahrung kann es sehr schnell geschehen, dass lebende Futtertiere abgelehnt werden. Während der Paarungszeit wird der Pfleger von den männlichen Tieren oft völlig ignoriert, selbst bei Berührungen.


Besonderheiten

Probleme bei der Freilandhaltung von Vipera b. berus

Probleme bei der Freilandhaltung von Vipera berus berus Seit 1981 pflege ich Kreuzottern in Zimmer- und Freilandterrarien. Wie zu erwarten, verhalten sich die Tiere im Freiland genauso wie in Ihrem natürlichen Lebensraum und geben einen Einblick in ihre Lebensgewohnheiten. Nachfolgend gebe ich einige meiner Erfahrungen wieder und hoffe, dem einen oder anderen Leser einige Anregungen geben zu können. Meine erste Freilandanlage befand sich auf einem Flachdach und war sieben auf vier Meter groß. Die Abgrenzung bestand aus einer einen Meter hohen Mauer. Als Bodengrund war eine Sand- Erdmischung von etwa zehn Zentimeter Höhe eingebracht. Aus Teichfolie waren zwei Wasserbecken gebildet und alles mit einheimischen Pflanzen eingerichtet. Als Unterschlupf waren Baumstumpen und Rindenstücke in der Anlage verteilt. Bedingt durch den Abstand von drei Metern zum Boden war die Gefahr durch Katzen gering, und es traten keine Verluste auf. Da die Tiere meist gedeckt an Pflanzen lagen, waren sie auch durch Greifvögel nicht besonders gefährdet. Das Hauptproblem war im Herbst das Auffinden der Schlangen, da das Überwintern in dieser Anlage nicht möglich war. Der Futterbedarf war in etwa halb so hoch wie im Zimmer und dürfte der Nahrungsaufnahme im Biotop entsprechen. Jungtiere gab es meist jedes zweite Jahr, im Zimmer jedes Jahr. Das Ende der Idylle kam durch unseren Umzug, und die Probleme fingen an. Das folgende Behältnis war aus Holz gebaut, hatte vorne eine Glasscheibe und an den Seiten und oben Drahtgeflecht. Die Größe war 200 x 50 x 80 cm (LBH), aus Styropor war ein Unterschlupf gebaut und das ganze Terrarium war dicht bepflanzt. Die Haltung der Kreuzottern war problemlos und die Nahrungsaufnahme lag in der Menge zwischen Zimmer und Freilandhaltung, wohl als Folge der Erwärmung durch die Glasscheibe.


Das Problem stellte die Hitze in der Reproduktionszeit dar, denn die Ottern konnten den hohen Temperaturen nur unzureichend ausweichen. Die frischgeborenen Schlangen wiesen Verkrümmungen der Schwanzwirbelsäule auf, die im weiteren Wachstum allerdings fast vollständig verschwanden. Daraufhin baute ich ein Terrarium direkt auf den Boden. Die Größe war 200 x 120 x 120 cm (LBH), es war auf zwei Seiten verglast, die anderen Seiten waren mit Teichfolie bespannt. Aus Teichfolie war ein Wasserbecken angelegt und der Boden war dicht mit Heide bepflanzt. Gegen Räuber musste ich eine Drahtabdeckung anbringen, die jedoch von Katzen und Mardern beschädigt wurde. Bedingt durch den direkten Bodenkontakt bestand immer die Gefahr, dass Mäuse die Absperrung unterwühlten. Durch die Abdeckung waren Arbeiten im Terrarium nur umständlich durchzuführen. Meine letzte Anlage war Zehn Meter lang, fünf Meter breit, und von einer einen Meter und zwanzig hohen Mauer umgeben. Zum Überwintern der Schlangen hatte ich eine einen Meter tiefe Grube ausgehoben, die mit Styropor, Ästen, Steinen und Erde aufgefüllt und einen Meter hoch bedeckt war. Die Einrichtung bestand aus zwei Teichen und einem Moorteil, bepflanzt ist mit Fichten, Heide und anderen einheimischen Pflanzen. Außer den Kreuzottern lebten noch Kreuzkröten, Gelbbauchunken und Sumpfschildkröten im Terrarium. Leider haben Katzen die Anlage schnell entdeckt und zwei Kreuzottern getötet. Bisher ist mir noch keine praktikable Lösung dieses Problems eingefallen.


Zusammenfassend haben sich kleinere Anlagen mit einer rundum Absperrung besser bewährt, da in großen Anlagen selten eine wirksame Abwehr von Schädlingen möglich ist. Vor zu starken Temperaturschwankungen sollte in jedem Fall eine möglichst dicke Bodenschicht schützen, das Überwintern ist in diesen Behältern nicht möglich. Passanten sollten die Anlage nicht sehen können, da immer mit den verschiedensten Problemen zu rechnen ist. Im Bezug auf Schlangenhaltung sind wir von der Hexenverfolgung des Mittelalters nicht weit entfernt und was keiner weiß macht keinen heiß. Ich hoffe, ich habe einige Reptilienfreunde auf diese Form der Tierhaltung neugierig gemacht oder sogar vor Fehlern bewahrt. Unsere Reptilien sind eine Kostbarkeit, die es unbedingt zu erhalten gilt. Freilandanlagen sind hierfür die beste Möglichkeit, da der Schutz in freier Natur noch keine nennenswerte Resultate gezeitigt hat und auch in naher Zukunft wenig Erfolg verspricht. Die Bewegungsfreiheit einer Unzahl von Hauskatzen wird bei uns höher eingeschätzt, als das Überleben unserer Wildtiere. Den Rest erledigt der Landschaftsverbrauch oder sogar die direkte Verfolgung.

Zucht

Paarungszeit

Vorbereitungen zur Paarung

Paarung

Schlupf/Geburt

Nachzuchten

Am 14.09.1986 fand ich vier voll entwickelte Jungtiere im Terrarium, eine Paarung hatte ich im Frühjahr nicht beobachtet. Am 23.04.1987 konnte ich eine Paarung beobachten und im Verlauf von zwei Wochen noch weitere vier. Die Weibchen waren im dritten Jahr schwarz geworden und hatten ein rotes Oberlippenschild, während die Männchen normal gefärbt blieben. Im Verlauf des Sommers nahm Weibchen eins stark an Umfang zu und lag den ganzen Tag unter dem Strahler. Endlich am 4.9.1987 14 Uhr konnte ich die Geburt von fünf lebenden und fünf toten Jungtieren, sowie fünf Wachseiern beobachten. Die Jungtiere häuteten sich sofort nach der Geburt und nahmen im Laufe einer Woche nackte, junge Mäuse an. Die nächste Paarung konnte ich am 11.5.88 im Freilandterrarium bei Weibchen zwei beobachten. Am 18.8.88 setzte dieses Weibchen zwölf gesunde Junge ab. Von der Nachzucht 1987 habe ich ein Männchen und von 88 ein Weibchen behalten, den Rest der Jungtiere gab ich an befreundete Terrarianer ab. Die zwei Vipern pflegte ich in einem gesonderten Terrarium, in der Hoffnung, eine F3-Nachzucht zu erhalten. Nach zwei Jahren wurde das junge Männchen schwarz, allerdings mit weißen Oberlippenschildern. Am 17.4.90 konnte ich die erste Paarung der Nachzuchtvipern beobachten, am 24.4.1990 eine weitere. Am 26.6.1990 erlebte ich dann die Geburt von elf Jungtieren, von denen leider drei starke Verkrümmungen der Wirbelsäule aufwiesen und ein Tier einen verkrümmten Schwanz hatte. Die sieben gesunden Tiere gingen im Verlauf der ersten Woche an Mäuseschenkel und nach drei Wochen an Babymäuse. Schiemenz (1987)[2] schreibt, „Weibchen scheinen nur in optimalen Lebensräumen alljährlich zu reproduzieren“, demnach sind zumindest die klimatischen Bedingungen und das Nahrungsangebot im Terrarium besser wie im Freiland, da ich öfter jährlich von einem Weibchen Nachwuchs erhielt.

Aufzucht der Jungtvipern

Die Mehrzahl der Jungtiere bereiteten bei der Aufzucht nicht die geringsten Probleme, sie gingen im Verlauf weniger Tage an Mäuseschenkel oder Babymäuse. Die anderen Tiere nehmen nach früheren Erfahrungen junge Grasfrösche an, was aus Artenschutzgründen unterbleiben sollte. Nach mehrmaligem Stopfen mit Mäuseschenkeln gehen auch diese Tiere bald an Babymäuse. Bei der Aufzucht von mehreren Tieren in einem Terrarium ist bei der Fütterung Vorsicht geboten, da sich leicht zwei Jungtiere in ein Futtertier verbeißen, was zum teilweisen Verschlucken eines Jungtieres führen kann. Nach etwa zwei Jahren beginnen die Schwärzlinge unter den Vipern langsam dunkler zu werden, bis sie schließlich vollkommen schwarz sind. Schwarzfärbung von Geburt an, wie sie Schiemenz (1985)[1] erwähnt, kamen bei meinen Nachzuchten nicht vor. Nach meinen bisherigen Erfahrungen betrifft das etwa ein Drittel der Tiere (Brodmann 1987)[5] bei einem melanotischen Elternteil, der Rest behält die normale Färbung. Von den erwähnten Tieren wurden die beiden F1-Weibchen und das F2-Männchen schwarz.

Schlussbemerkung

Die Tiere im Freilandterrarium sind wesentlich lebhafter als die im Zimmer gehaltenen. Bezeichnenderweise waren bei der Nachzucht im Freilandterrarium alle Jungtiere normal entwickelt, während im Zimmer kein so gutes Ergebnis erzielt wurde. Es bleibt zu erwähnen, dass die Tiere von 1981 jetzt nach elf Jahren immer noch gesund und munter sind und durch ihr interessantes Verhalten erfreuen. Die Schwierigkeiten bei der Haltung der Nominatform die Trutnau (1981)[6] erwähnt, kann ich nach meinen Erfahrungen nicht bestätigen.

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Frau Elke, meinem Sohn Wolfgang und Herrn R.Stein für die Hilfe bei der Erstellung des Manuskripts bedanken. Besonders bedanke ich mich bei Herrn Dr. K. Klemmer für die Anregungen und Verbesserungsvorschläge.


Quellen

  1. 1,0 1,1 SCHIEMENZ, H. (1985): Die Kreuzotter, Die Neue Brehm Bücherei, A. Ziemsen Verlag, Wittenberg Lutherstadt, 108 S.
  2. 2,0 2,1 2,2 Hans Schiemenz (1987): Die Kreuzotter/Vipera berus. Die Neue Brehm-Bücherei 2. Aufl., 108 pp., 64 figures incl. 49 black and white photos and three maps, two colour plates with 12 photos
  3. 3,0 3,1 Muschketat, L&R. (1989): Erfahrungen bei der Aufzucht einer Kreuzotter ( Vipera berus berus ).-herbetofauna, Ludwigsburg, 3(63):6-10.
  4. Holzberger. H. (1981):Zur Haltung der Einheimischen Kreuzotter( Vipera berus ).herpetofauna, Ludwigsburg, 3(10): 6-9.
  5. Brodmann, P. (1987):Die Giftschlangen Europas und die Gattung Vipera in Afrika und Asien. - Bern(Kuemmerly & Frey),148 S.
  6. Trutnau, L. (1981): Schlangen Bd. 2, Giftschlangen. - Stuttgart ( Ulmer ), 200 S.


Weiterführende Literatur

Weblinks

Vipera berus bei Elaphe.info

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