Scotophis obsoletus

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Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Scotophis obsoletus

Deutscher Name
WA-Schutzstatus
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art '
Unterart '
Erstbeschreibung


Bei der Erdnatter handelt es sich um eine nordamerikanische Kletternatter, die mit durchschnittlich 180 cm, eine recht imposante Größe erreicht. In der Terraristik ist diese Art nicht annähernd so weit verbreitet, wie die nahe verwandte Kornnatter, obwohl die Haltungsbedingungen identisch sind. Völlig übertriebene Größenangaben von bis zu 3 m, und Geschichten von ungestümen oder gar agressiven Tieren, schrecken sicherlich einige Interessenten ab. Beides ist aber unbegründet. In der Fachliteratur sind maximale Längen von 240-250 cm zu finden, jedoch stellen Erdnattern von über 200 cm eine seltene Ausnahme dar. Die überwiegende Mehrheit der Tiere haben ein ruhiges Wesen. Nervöse oder agressive Individuen sind eher selten.

Anfängerschlange?

In Foren taucht immer wieder die Frage auf, welche Schlange als "Anfängerart" geeignet ist. Was ist eigentlich eine Anfängerschlange?

  • die Tiere sollten nicht durch Gift oder besondere Größe eine Gefahr für den Pfleger darstellen
  • das nötige Futter sollte leicht zu beschaffen sein
  • kleiner Haltungsfehler wie z.B. Schwankungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit sollten gut toleriert werden
  • die klimatischen Bedingungen sollten ohne größeren Aufwand zu erfüllen sein
  • und natürlich sollte die Art auch verfügbar sein

Alle diese Punkte erfüllt die Erdnatter. Somit kann sie dem interessierten "Anfänger" durchaus empfohlen werden.

WA-Schutzstatus

Ein WA-Schutzstatus besteht für Erdnattern nicht.

Arten und Unterarten

Bisher waren die Kettennattern in der Gattung Pantherophis zu finden, wobei die Art Pantherophis obsoletus 5 Unterarten enthielt: (Anmerk: bitte hier noch ein paar Quellen, sprich Autoren nennen)

Taxonomische Änderungen (2008)

Neuere phylogenetische Untersuchungen [1] zeigen jedoch, dass die Einteilung in die Gattung Pantherophis die Paraphylie dieser Gattung nicht auflöst, so dass für die Erdnattern die Gattung Scotophis Baird & Girard 1853 als das älteste Synonym vorgeschlagen wurde. Zudem erhieltt die bisherige Unterarten Pantherophis obsoletus spiloides Artstatus. Die beiden bisherigen Unterarten Pantherophis obsoletus obsoletus und Pantherophis obsoletus lindheimeri sowie Pantherophis obsoletus quadrivittatus und Pantherophis obsoletus rossalleni wurden zusamengefasst. Die letzteren beiden Unterarten sind nun in der neu beschriebenen Art Scotophis alleghaniensis zusammengefasst und die Unterarten damit synonymisiert.

Die neue taxonomische Einteilung sieht nun wie folgt aus[1]:

Beschreibung

Wie oben bereits erwähnt werden Erdnattern ca. 180 cm lang. Der Kopf setzt sich deutlich vom Hals ab. Die Schuppen sind nicht gekielt und fühlen sich glatt an. Die Färbung ist recht variabel. Bei Scotophis obsoletus variiert die Grundfarbe von gelb über braun (Pantherophis obsoletus lindheimeri) mit dunklen Sattelflecken bis hin zu schwarz mit kaum erkennbarem Muster (Pantherophis obsoletus obsoletus). Besonders eindrucksvoll sind völlig Zeichnungslos schwarze Exemplare. Scotophis spiloides haben dunkelgraue Sattelflecken auf grauem Grund. Scotophis alleghaniensis sind gelb (Pantherophis obsoletus quadrivittatus) bis orange oder rot (Pantherophis obsoletus rossalleni) mit vier braunen bis schwarzen Streifen, die sich vom Hals ab über die gesamte Länge erstrcken. Diese Streifen können bei einigen Exemplaren auch fehlen. Der Bauch ist bei allen Arten hell grau bis gelblich und ohne Zeichnung. Pauschal kann man sagen, daß die Tiere von Süden nach norden immer dunkler werden. Die Jungtiere aller Arten sind anfangs grau mit danklen Sattelflecken. Innerhalb von ein bis zwei Jahren entwickelt sich die entgültige Färbung. Die Lebenserwartung liegt bei ca. 15-20 Jahren, in Ausnahmefällen bei über 30 Jahren.

Farbvarianten

Von den einzelnen Arten der Erdnatter sind verschiedene Farbvarianten bekannt. Es gibt hypomelanistische und amelanistische Tiere, Albinos und andere Varianten, die meist mit Fantasienamen
(Z.b. Bubblegum) bezeichnet werden. Am bekanntessten sind sicherlich die leuzistischen Tiere. Sie sind schneeweiß, haben bleue oder graue Augen und keinerlei Zeichnung. Licorice oder Whitesidet ist auch eine leuzistische Form, jedoch haben diese Tiere ein dunkles Band aus Sattelflecken auf dem Rücken.

Vorkommen und Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Erdnattern erstreckt sich über die gesamten USA, östlich der Rocky Mountains bis in den Süden Kanadas. S.alleghaniensis besiedelt die das Gebiet entlang der Atlantikküste von North und South Carolina, über Georgia und die gesamte Halbinsel Florida. S.spiloides ist im Südosten der USA von der Golfküste bis nach Mississippi und Missouri zu finden. Die weitaus größte Verbreitung hat S.obsoletus. Sie ist im Süden von der Golfküste und Texas bin nach Südkanada zu finden. An den Grenzen der Verbreitungsgebiete kommt es teilweise zu Verpaarungen verschiedener Arten.

Lebensraum und Lebensweise

Erdnattern bewohnen verschiedene Lebensräume von Grassteppen bis hin zu Wäldern. Sie sind auch oft in der Nähe menschlicher Siedlungen zu finden. Als direkte Kulturfolger kann man sie vielleicht nicht bezeichnen, aber sie ernähren sich von Mäusen, Ratten und Vögeln, die oft in unmittelbarer Nähe des Menschen zu finden sind. Daneben werden auch Fledermäuse und Vogeleier erbeutet. Die Beute wird mit dem Maul ergriffen und mit dem Körper umschlungen bis der Tot eintritt. Manchmal wird ein Beutetier auch mit dem Körper gegen einen festen Gegenstand gedrückt. Kleine wehrlose Beute wird oft einfach lebend runtergeschlungen. Der deutsche Trivialname Erdnatter ist etwas irreführend. Es handelt sich um ausgezeichnete Kletterer, die durchaus auch in Bäumen, Höhlen, Schuppen und Stallungen jagen. Sie sind keine Lauerjäger, sondern streifen auf der Suche nach Beute aktiv umher. Hauptsächlich sind sie in der Dämmerung und Nacht aktiv. Tagsüber ruhen sie meist in ihren Verstecken. Dazu beziehen sie Nagerbauten, Baumhöhlen und ähnliches. Aber auch Keller oder Dachböden von Häusern dienen ihnen als Versteck.

Gift

Über einen Giftapparat verfügt die Erdnatter nicht.


Haltung

Terrarium

Als Richtlinie für die Terrariengröße für zwei Exemplare gilt die Formel 1x0,5x1 (LxBxH), multipliziert mit der Gesamtlänge der Schlange. Daraus ergibt sich für zwei Tiere von 160 cm Länge ein Terrarium mit den Maßen 160x80x160 cm, wobei die Höhe durchaus auf 120 cm beschrenkt werden kann, um Verletzungen bei eventuellen Abstürzen der Tiere zu vermeiden. Viel wichtiger als die bloße Größe, ist eine gute Strukturierung des Terrariums mit Klettermöglichkeiten und eingen Verstecken in verschiedenen Temperaturbereichen. Ein Gefäß mit täglich frischem Wasser darf natürlich nicht fehlen. Dieses sollte ruhig so groß gewählt werden, daß sich eine Schlange auch mal komplett hineinlegen kann, auch wenn sie es nicht oft tun. Als Verstecke können Korkröhren, große Wurzel, Blumentöpfe und ähnliches verwendet werden. Diese sollten so bemessen sein, daß die Schlangen nach allen Seiten Körperkontakt zu den Außenwänden hat, das gibt ihnen ein Gefühl von Sicherheit. Als Bodengrund kann u.a. Blumenerde, Kleintierstreu, Boxeneinstreu für Pferde oder Rindenmulch verwendet werden. Zur Dekoration können Moos, trockenes Laub oder Steine ins Terrarium gelegt werden. Echte Pflanzen sind sicherlich schöner als künstliche, überleben aber selten in einem Erdnatter-Terrarium. Die Tiere können deutlich über 1000 g wiegen, und damit zerdrücken sie schnell jede Pflanze. Außerdem reicht der UV-Anteil im Licht, meist nicht für das Gedeihen der Pflanzen aus, sodaß sie dadurch zusätzlich geschwächt werden. Als Beleuchtung reichen Leuchtstoff- oder Energiesparlampen aus. Eine spezielle UV-Beleuchtung ist nicht notwendig. Um die nötige Wärme zu erreichen eignen sich Spotstrahler oder Keramikstrahler, am besten um lokale Temperaturen von 30-32°C zu erzeugen. Die Durchschnittstemperatur sollte bei 24-28°C liegen und kann nachts auf 18-20°C absinken. Die Beleuchtungsdauer beträgt 10-12 Stunden. Wenn nötig kann auch eine Heizmatte oder ein Heizkabel verwendet werden. Diese sollten aber nur ein Drittel der Grundfläche des Terrariums bedecken, um den Schlangen den Rückzug in kühlere Bereiche zu ermöglichen. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 40-60% liegen. Diese kann durch gelegentliches Übersprühen der Einrichtung, mit warmen Wasser erreicht werden. Selbstverständlich ist das Terrarium täglich zu kontrollieren, und eventuell Kot und Hautreste zu entfernen.

Nahrung

Erdnttern können mit Nagetieren passender Größe gefüttert werden. Am leichtesten zu beschaffen, und damit meist am günstigsten, sind natürlich Mäuse und Ratten. Küken werden in der Regel zwar gerne gefressen, aber der abgesetzte Kot ist danach sehr dünnflüssig und übelriechend. Der Nährwert ist auch nicht so hoch, wie der vergleichbar großer Nager. Fast alle Erdnattern gehen normalerweise problemlos an totas Futter, egal ob prekilled oder Frostfutter. Dieses wird meist ohne vorheriges Umschlingen gefressen. Aber auch nach längerer Fütterung mit toten Tieren geht der Jagdtrieb nicht verloren. Wird ein lebendes Futtertier angeboten wird dieses normalerweise sofort ergriffen und umschlungen. Eine zusätzliche Gabe von Vitamin- oder Mineral-Präpararten ist unnötig.

Häutung

Wie alle Reptilien wachsen auch Schlangen ein Leben lang. Da die oberste Hautschicht nicht mitwächst muß sie von Zeit zu Zeit abgestreift werden. Dies geschieht bei Jungtieren ca. alle drei bis vier Wochen, bei adulten Tieren nur noch zwei bis drei mal im Jahr. Die Häutung kündigt sich durch Trübung der Augen an. Die Haut kann auch blasser erscheinen. In dieser Zeit ziehen sich die Schlangen normalerweise komplett zurück. Kurz vor der eigentlichen Häutung werden die Augen wieder klar. Um eine reibungslose Häutung zu gewährlisten ist unbedingt auf ausreichende Luftfeuchtigkeit zu achten, diese kann durch häufigeres Sprühen leicht erhöht werden. Es kann auch eine Wetbox ins Terrarium gestellt werden, welche von vielen Tieren gerne genutzt wird. Die abgestreifte haut sollte auf Volständigkeit überprüft werden. Besonders an der Schwanzspitze oder über den Augen kann es in seltenen Fällen zu Schwierigkeiten kommen. Bleibt die alte Haut an der Schwanzsptitz kann diese unter Umständen absterben. Ist es doch einmal zu Häutungsschwierigkeiten gekommen kann man das betroffene Tier in eine verschließbare Wetbox setzen und einige Zeit dort belassen. Man kann die Schlange auch in ein Bad mit handwarmen Wasser setzen. Dieses Sollte aber nicht tiefer als der Körperdurchmesser sein. Wenn sich die alte Haut dann noch nicht abgelöst hat läßt man das Tier durch ein feuchtes Tuch gleiten. Bei der nächsten Häutung ist dann auf ausreichende Luftfeuchtigkeit zu achten. Nahrung sollte den Schlangen während der Häutungszeit nicht angeboten werden.


Winterruhe

Eine Winterruhe ist für Erdnattern vielleicht nicht zwingend notwendig, sollte den Tieren aber ihrem natürlichen Rhytmus entsprechend ermöglicht werden. In ihrer Heimat beginnt die Paarungszeit einige Wochen nach Beendigung der Winterruhe. Es kann sein, daß die Tiere sich im Terrarium nicht paaren, wenn ihnen dieser natürliche Jahresverlauf nicht gewährleistet wird. Und selbst wenn man nicht züchten möchte sollte man seinen Schlangen diese Ruhefase gönnen. Es wirkt sich auf jeden Fall positiv auf die Lebenserwartung aus. Etwa vier Wochen vor der Winterruhe füttert man die Tiere zum letzten Mal, um sicherzustellen, daß sie auch wirklich noch abkoten und der Darm restlos entleert ist. Dann beginnt man damit, Temperaturen und Beleuchtungsdauer Schrittweise zu reduzieren, bis die Beleuchtung ganz aus bleibt und die Temperatur dann möglichst unter 15°C beträgt. Die eigentliche Winterruhe erfolgt dann für acht bis zwölf Wochen bei ca. 8-12°C und völliger Dunkelheit. Hierfür eignen sich frostsichere Kellerräume oder Abstellkammern. Die Tiere können in ihren Terrarien verbleiben, oder man überführt sie in gut isolierte und mit Lüftungsöffnungen versehene Holzkisten. Frisches Trinkwasser sollte den Tieren auch in dieser Zeit immer zur Verfügung stehen. Man sollte darauf achten, daß die Temperatur während der Winterruhe nicht deutlich über 12°C ansteigt, da sonst der Stoffwechsel der Tiere nicht weit genug heruntergefahren wird und sie dadurch zu sehr abbauen könnten. Wer nicht die Möglichkeit hat, seine Nattern bei ca. 8-12°C zu überwintern, kann ihnen auch eine so genannte verkürzte Winterruhe von ca. vier bis sechs Wochen bei 12-15°C ohne Beleuchtung bieten. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, daß die Tiere vor Eintritt der kühlen Fase körperlich gesund und kräftig sind, der Darm entleert ist, und sich die Tiere nicht gerade in der Häutung befinden. Sollte Letzteres der Fall sein muß man mit der Einwinterung noch warten, bis die Häutung vollzogen wurde. Beginnen sollte man mit der Reduzierung der Temperatur und Beleuchtungsdauer Ende Oktober oder Anfang November. Nach Beendigung der Winterruhe erhöht man über einen Zeitraum von vier Wochen die Temperatur und Beleuchtungsdauer wieder schrittweise auf die normalen Werte. Sind diese erreicht kann wieder Futter angeboten werden. Bei der ersten Fütterung sollten kleinere Futtertiere als gewöhnlich angeboten werden, damit der Verdauungstrakt der Tiere nicht überfordert wird. Vorausgesetzt, man hält ein Pärchen Erdnatter in seinem Terrarium, lassen die ersten Paarungsaktivitäten meist nicht mehr lange auf sich warten.

Zucht

Geschlechtsbestimmung

Wie unterscheidet man eigentlich die Geschlechter? Bei Nattern ist der Unterschied meistens relativ gut am Schwanz zu erkennen, vorausgesetzt, die Tiere sind etwa gleich groß. Beim Männchen ist der Schwanz im Verhältnis zur Körpergröße länger und verjüngt sich gleichmäßig. Beim Weibchen ist der Schwanz kürzer und verjüngt sich an der Schwanzwurzel deutlich. Eine weitere Methode ist das Sondieren. Dabei wird eine Knopfsonde vorsichtig in Schwanzrichtung in eine der beiden Hemipenis-Öffnungen (rechts und links in den Winkeln der Kloake) geschoben. Bei Weibchen lässt sich die Sonde etwa 3 bis 5 Unterschwanzschilde tief einführen, bei Männchen etwa 10. Aber diese Methode birgt ein hohes Verletzungsrisiko. Außerdem kann es sein, daß sich die Schlange verkrampft, und so auch bei einem Männchen die Sonde nicht tief eindringen kann. Dadurch kann es zu Fehldiagnosen kommen. Bei großen, kräftigen Schlangen ist ein Helfer zum Fixieren der Tiere angebracht.


Paarung

Die Geschlechtsreife erreichen die Erdnattern normalerweise nach zwei bis drei Jahren. In machen Fällen kann es aber auch schon nach einem Jahr zu Paarungen kommen. Deshalb sollten Jungtiere spätestens nach sechs Monaten nach Geschlechtern getrennt untergebracht werden. Eine zu frühe Trächtigkeit kann für das Weibchen aber fatale gesundheitliche Folgen haben. Sie sollten erst ab einem Körpergewicht von mindestens 300g, besser aber 400g oder mehr, zur Zucht eingesetzt werden. Kurze Zeit nach Beendigung der Winterruhe beginnen in der Regel die Paarungsaktivitäten. Dabei verfolgt das Männchen das Weibchen und versucht auf sie zu kriechen. Ist sie bereit legen sich beide Tiere parallel zueinander und das Männchen umschlingt mit seinem Schwanz den des Weibchens. Nun stülpt er einen seiner Hemipenis aus und führt ihn in die Hemiklitoris des Weibchens ein. Die Kopulation kann einige Minuten bis zu mehreren Stunden andauern. Es kann auch zu erneuten Paarungen in den nächsten Tagen kommen. In dieser Zeit nehmen viele Erdnattern kein Futter an. Oft setzt das Männchen beim Weibchen einen Nackenbiß an. Kommt es trotz offensichtlich geeigneter Zuchttiere nicht zu Paarungsaktivitäten kann dies verschiedene Ursachen haben. So kann es z.B. hilfreich sein, die Tiere nach Geschlechtern getrennt zu halten und nur zur Paarung zusammen zusetzen. In seltenen Fällen kommt das Weibchen auch nur in Stimmung, wenn zwei Männchen durch einen Kommentkampf um ihre Gunst werben. Dabei handelt es sich um einen Scheinkampf, der ohne Aggressivität durchgeführt wird und in der Regel ohne Verletzungen bleibt. Die Männchen versuchen sich gegenseitig zu überkriechen und auf den Boden zu drücken. Es kommt auch vor, daß sich die Tiere das erste Körperdrittel hoch aufrichten und sich gegenseitig umschlingen, bis beide Kontrahenten umkippen. Das Unterlegene Männchen verlässt dann den Schauplatz und wird vom Sieger nur ein kurzes Stück verfolgt. Unter Terrarienbedingungen ist es unerlässlich, das unterlegene Tier zu entfernen, da ein Rückzug nicht möglich ist. Das Hätte Dauerhaften Streß für beide Männchen zur Folge.


Eiablage

45–60 Tage (manchmal bis 70) nach erfolgreicher Paarung kommt es zur Eiablage. Das Weibchen sucht nun das Terrarium nach einem geeigneten Eiablageplatz ab. Dieser sollte dunkel und etwas feuchter sein als die Umgebung. Am Besten bietet man eine Schlupfbox an. Dazu kann man eine kleine Styroporbox oder eine Frischhaltedose aus dem Supermarkt nehmen. Diese versieht man mit einer nicht zu großen Öffnung als Eingang und einigen Luftlöchern. Die Box wird zur Hälfte mit Spagnummoos oder Vermiculit gefüllt, welches stets leicht feucht gehalten wird. Viele Weibchen stellen zwei bis vier Wochen vorher die Nahrungsaufnahme ein. Ist kein geeigneter Eiablageplatz vorhanden kann es zur Legenot kommen. Das heißt, das Weibchen legt die Eier nicht ab, sie verbleiben im Körper des Tieres. Das kann im schlimmsten Fall zum Tod des Weibchens führen. Die Eiablagebox wird nun täglich kontrolliert. Das Gelege der Erdnattern umfaßt durchschnittlich 10 bis 20 (manchmal auch mehr) Eier. Manchmal befinden sich so genannte Wachseier darunter. Das sind unbefruchtete Eier, oder Eier, in denen die Embryonen abgestorben sind. Sie sind meist kleiner als befruchtete Eier und gelblich bis bernsteinfarben.


Inkubation und Schlupf

Das Gelege muß nun Vorsichtig aus der Ablagebox in den Inkubator überführt werden. Dieser sollte natürlich schon einige Tage im Probelauf getestet worden sein. Die Eier dürfen nicht gedreht erden, da sonst die Embryonen absterben könnten. Man kann die Oberseite eventuell mit einem weichen Bleistift markieren. Als Brutsubstrat eignet sich Vermiculit, Spagnummoos oder auch Schaumstoff. Als Brutbehälter können Heimchendosen oder Frischhaltedosen mit Luftlöchern versehen verwendet werden. Das Substrat muß feucht, aber nicht naß sein. Die Eier werden zur Hälfte darin eingebettet. Nun stellt man die geschlossene Box in den Inkubator. Die Temperatur sollte 28 – 29°C betragen und kann in der Nacht um 5- 10°K absinken. Die Bruttemperatur sollte nicht über 30°C ansteigen, da dies zu Fehlbildungen der Jungtiere führen kann. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei annähernd 100 % liegen (Tropfenbildung am Deckel der Box). Es ist unbedingt darauf zu achten, daß kein Wasser auf die Eier tropft, um Schimmelbildung zu verhindern. Sollte es doch einmal zu Schimmel, kommen kann dieser mit einem feinen Pinsel vorsichtig entfernt werden und das betroffene Ei mit zerriebener Holzkohle bestäubt werden. Der Inkubator muß auf jeden Fall ausbruchsicher verschlossen sein. Jeden zweiten Tag wird der Deckel kurz geöffnet um das Gelege zu kontrollieren und für einen Luftaustausch zu sorgen. Nach ca. 60 – 75 Tagen schlüpfen die Jungtiere. Dazu ritzen sie die Eierschale mit dem Eizahn, der nach dem Schlupf abfällt, an einer oder zwei Stellen auf und stecken den Kopf heraus. In dieser Position verharren sie oft noch einige Stunden. Beim Schlupf sind die Jungtiere ca. 30cm lang und wiegen 8-10g.

Aufzucht der Jungtiere

Nach dem Schlupf werden die Jungtiere einzeln oder in kleinen Gruppen in kleine Aufzuchtboxen gesetzt. Hierfür eignen sich Faunaboxen aus dem Zoofachhandel genauso wie Frischhaltedosen aus dem Supermarkt. Letztere werden natürlich mit Luftlöchern versehen. Die Einrichtung sollte sich anfangs aus hygienischen Gründen auf Küchenpapier als Bodengrund, einen kleinen Wassernapf und ein Versteck beschränken. Die Einzelhaltung hat den Vorteil, daß man jedes Tier besser kontrollieren kann. Die Boxen kann man in ein großes leeres Terrarium oder direkt unter eine Wärmelampe stellen. Es kann auch ein Heizkabel unter den Boxen angebracht werden, dann aber nur unter einem Drittel der Grundfläche. Temperatur und Luftfeuchtigkeit hält man wie bei den adulten Tieren. Etwa eine Woche nach dem Schlupf häuten sich die kleinen Erdnattern das erste Mal, erst danach bietet man ihnen zum ersten Mal Futter an. Gefüttert werden die Jungtiere alle 5 – 7 Tage. Die Größe der Futtertiere richtet sich natürlich nach der Größe der Schlange. Anfangs wird bietet man bei jeder Fütterung ein unbehaartes Mäusebaby (Pinky) an, später dann 2 – 3 Pinkies oder einen Specki (leicht behaartes Mäusebaby). Die meisten Erdnattern gehen ohne Probleme ans Futter und wachsen in den ersten Monaten recht schnell.


Futterverweigerung

Leider verweigern einige Jungtiere anfangs die Nahrungsaufnahme. Dann sollten zu erst einmal die Haltungsparameter überprüft werden. Ist es Vielleicht zu kühl? Hat das Tier ein geeignetes Versteck? Ein Tier, das das Futter verweigert, sollte einzeln gehalten werden, um jeden Streß durch evetuelle Unterdrückung durch Geschwistertiere zu vermeiden. Hier sind nun einige Tipps, mit denen man versuchen kann, die Kleinen ans Futter zu locken:

  • andere Futtertiere anbieten, z.B. Babies von Zwerghamstern oder Vielzitzenmäusen
  • lebendes Futter anbieten
  • Halbwüchsige Zwergmäuse anbieten, diese sind schon sehr aktiv und wecken eventuell den Jagdtrieb
  • bei einem (toten) Pinky den Schädel oder Bauch aufstechen und ein wenig Flüssigkeit herausdrücken, der Geruch wirkt manchmal sehr verlockend auf die Nattern
  • die Schlange mit einem Futtertier in eine möglichst kleine dunkle Schachtel sperren und über Nacht dort belassen
  • einen Pinky mit der Pinzette greifen und damit die Schlange an der Schnauze oder an der Seite anstupsen
  • manchmal hilft es auch, einen Verweigerer mit einem guten Fresser zusammen zu halten, um eventuell Futterneid auszulösen
  • die Box mit Schlange und Futtertier auf eine Lautsprecherbox stellen, die Bodenvibration löst vielleicht den Jagdtrieb aus

Die letzte Methode habe ich selbst noch nie ausprobiert, sie wurde mir aber von einem Halter berichtet, der damit scheinbar mehrmals Erfolg hatte.)

Wenn dies alles ohne Erfolg bleibt muß man es mit Zwangsfütterung versuchen. Dabei sollte man sich aber auf jeden Fall von einem Reptilienkundigen Tierarzt oder einem erfahrenen Schlangenhalter helfen lassen, da das Verletzungsrisiko, bis hin zum Genickbruch, für die kleinen Nattern sehr hoch ist. Bei der Zwangsfütterung, dem sogenannten Stopfen, wird der Schlange vorsichtig das Maul geöffnet und ein Futtertier passender Größe langsam in den Schlund geschoben. Normalerweise sollte dann der Schluckreflex ausgelöst werden. Andernfalls muß das Futter behutsam zum Magen hin massiert werden. Um das Futtertier gleitfähiger zu machen kann man es in flüssiges Eiweis tauchen. Besonders kleine dünne Jungschlangen kann man auch mit 1 - 2 cm langen abgeschnittenen Stücken von Mäuseschwänzen stopfen. Dabei ist die Verletzungsgefahr für die kleine Natter nicht ganz so groß wie beim Stopfen mit Babymäusen. Es gibt im Fachhandel auch eine sogenannte "Pinky Pump", eine Spritze aus Edelstahl mit dicker abgerundeter Kanüle. In diese Spritze gibt man Pinkies, schiebt die Kanüle der zu fütternden Schlange 2 - 3 cm weit in den Schlund und drückt das Futter langsam in den Hals, die Dosierung ist jedoch nicht ganz einfach. Es kann leicht passieren, daß zu schnell zu viel Futterbrei aus der Kanüle kommt. Diese "Pinky Pumps" sind vielleicht gut geeignet, um größere Schlangen im Krankheitsfall mit Nahrung oder Medikamenten zu versorgen, aber für die Zwangsernährung von solch kleinen Nattern sind sie nicht wirklich geeignet.

Quelle

  1. 1,0 1,1 Collins, Joseph T. and Travis W. Taggart. An alternative classification of the New World rat snakes (genus Pantherophis [Reptilia: Squamata: Colubridae]). Journal of Kansas Herpetology. 26: pp. 16-18. http://www.cnah.org/pdf_files/1007.pdf

obsoletus.de

Weiterführende Literatur

Kornnattern und Erdnattern

(Dieter Schmidt) Natur- und Tier-Verlag 2000

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