Leiopython
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Arten
- Leiopython albertisii Peters & Doria 1878 ( Nördlicher Weisslippenpython)
- Leiopython hoserae (Hoser 2000) Schleip 2008[1] ( Südlicher Weisslippenpython)
- Leiopython bennettorum (Hoser 2000) Schleip 2008[1] Bennetts Weisslippenpython
- Leiopython fredparkeri Schleip 2008[1] Fred Parkers oder Kariumi-Weisslippenpython
- Leiopython huonensis Schleip 2008[1] Huon Weisslippenpython
- Leiopython biakensis Schleip 2008[1] Biak Weisslippenpython
Die Erstbeschreibung
Der Weisslippenpython wurde erstmals im Jahre 1878 von Peters und Doria als Liasis albertisii beschrieben[2]. Die beiden Naturforscher untersuchten Material aus der Sammlung von Odoardo Beccari, einem italienischen Botaniker, welches er zusammen mit dem italienischen Ornithologen Luigi Maria d'Albertis in Neuguinea gesammelt hatte. Darunter befanden sich auch Exemplare dieser bis dahin noch unbekannten Art. Ein Exemplar stammte aus der Nähe aus Kapaor (heute: Fak Fak, Onin-Halbinsel, Indonesien), ein anderes aus der Nähe von Andai (heute Manokwari, Vogelkopf-Halbinsel, Indonesien).
Die Gattung Leiopython Hubrecht 1879
Nur ein Jahr nach der Einführung des Weisslippenpythons als Liasis albertisii durch Peters und Doria[2] untersuchte der niederländische Zoologe Hubrecht (1879)[3] (1853-1915) ein weiteres Exemplar aus der Beccari-Sammlung, welches von der Insel Salawati, Indonesien stammte. Offenbar in Unkenntnis der vorangegangenen Beschreibung von Peters und Doria[2] führte Hubrecht eine neue Gattung Leiopython und eine neue Art Leiopython gracilis ein. Hubrecht ordnete diese neue Gattung zwischen den Gattungen Liasis Gray 1842 und Nardoa Gray 1842 (Anmerkung: Nardoa war allerdings vorher 1840 schon von Gray eingeführt worden als Name einer Gattung von Seesternen, deshalb ist sie für Schlangen nicht verfügbar als Gattungsnamen und wurde später durch einen Ersatznamen ersetzt) ein[3]. Im Unterschied zur Gattung Nardoa hat Leiopython Gruben auch in den oberen Labialia sowie in der Rostale[3]. Die Gattung zeichnet sich außerdem durch eine charakteristische Kopfbeschuppung aus: Nostrilen, die längs der Nasalschilder verlaufen, gefolgt von Gruben, die sich nach hinten und unten erstreckt. Die Supraokularia ragen über die Augen hinaus, keine Präfrontalia und die Anzahl an Lorealia und Präokularia ist reduziert. Schlitze auf der Rostale und den oberen und unteren Lippenschildern (Labialia). Körperschuppen sind kurz und glatt und von rhombischer Form.
Die Gattung Leiopython wurde jedoch im Jahre 1893 von Boulenger mit Liasis Gray synonymisiert[4]. Im Jahre 1935 veröffentlichte O. Stull eine Checkliste der Familie der Riesenschlangen und führte den Weisslippenpython darin als Unterart (Liasis fuscus albertisii) des Braunen Wasserpythons (Liasis fuscus Peters 1873) auf[5]. Obgleich die Autorin keinerlei Begründung dafür gegeben hatte (es wurde auf eine noch folgende Publikation verwiesen, die jedoch nie veröffentlicht wurde), wurde diese Einteilung allgemein akzeptiert und verwendet.
Erst 1960 untersuchte Worrell beide Unterarten (Liasis fuscus wird bei Anwesenheit einer Unterart selber zur Unterart, zur Nominatform Liasis fuscus fuscus) und fand sowohl vom Gebiss her, wie auch weitere morphologische Merkmale um diese beiden zu unterscheiden. Daher erhielt der Weisslippenpython wieder in den Artstatus als Liasis albertisii. 1983 synonymisierte Harold Cogger & Co-Autoren[6] die Gattung Liasis mit Morelia Gray 1842. Grund dafür war die Tatsache, dass Gray 1842 keinen Typus für die Gattung benannt hatte, in der sich damals auch z.B. Liasis amethistinus und Liasis mackloti befanden. McDowell (1975)[7] meinte Liasis childreni [= Antaresia childreni] sollte Typus werden, wohingegen Cogger et al. (1983)[6] meinte Boa amethistina Schneider 1801 (war in Wirklichkeit aber Liasis mackloti[8]) sollte es sein. Die Arten, die vorher in der Gattung Liasis waren, wurden von Cogger nun in Bothrochilus Fitzinger 1843 eingruppiert[6].
Später, 1990 untersuchten Underwood und Stimson die Familie der Pythons und teilten sie in zwei Übergruppen ein[9]: die asiatischen und afrikanischen Arten wurden in die Gattung Python Daubin 1802 eingeteilt, die indo-australischen (außer Aspidites) in die Gattung Morelia. Liasis wurde mit Morelia synonymisiert.
Erst 1993, also 100 Jahre später, führte Arnold Kluge eine phylogenetische Untersuchung auf Grundlage von morphologischen - und anatomischen Merkmalen der verschiedenen Pythonarten durch und fand Belege dafür, dass sich der Weisslippenpython von anderen Pythonarten unterschied[10]. Er musste also wieder in eine andere Gattung als Morelia eingeteilt werden, und so wurde die Gattung Leiopython (als das älteste Synonym) wieder hervorgeholt.
Im Jahre 2000 führte Hoser zwei neue Unterarten sowie eine neue Art in die Gattung Leiopython ein[11]. Jedoch aufgrund der ungenügenden Beschreibungen dieser neuen Unterarten, wie auch der neuen Art, wurde diese Veröffentlichung kaum ernst genommen. Die Kritik an Hoser’s Beschreibungen[11] richtet sich vor allen Dingen auf das Fehlen von Daten, die zur Identifizierung der (Unter-)Arten und zu deren Unterscheidung von anderen (Unter-)Arten benötigt werden [12][13]. So schreibt Hoser als Unterscheidung für die neue Art Leiopython hoserae (die bisher als „schwarze“ oder „südliche“ Form des Weisslippenpythons bekannt war):
Zitat (Hoser):[11] L. hoserae is separated from L. albertisi by the fact that its dorsal body colour is usually a greyish metallic black in adults as opposed to a golden brown colour. L. hoserae also attains a larger size, with this author having sighted and photographed a specimen at Melbourne Zoo of about 2.5 metres, (also refer to the type specimen above). L. albertisi rarely if ever attains this size. [...] There are numerous other characteristics that separate the two species of Leiopython, including DNA properties. L. hoserae cannot be confused with any other New Guinea snake. Übersetzt: L. hoserae unterscheidet sich von L. albertisii durch die Tatsache, dass seine Dorsalfärbung bei adulten Tieren normalerweise grau-metallic bis schwarz ist, im Gegensatz zur golden-bräunlichen Färbung. L. hoserae kann überdies größer werden, wobei der Autor ein Bild eines Exemplares mit 2,5m Länge aus dem Melbourne Zoo gesehen hat. L. albertisii wird selten, wenn überhaupt, so lang."[...] Es gibt viele andere Merkmale, die beide Arten von Leiopython unterscheiden, inklusive DNA- Merkmale. L. hoserae kann nicht mit einer anderen Schlange aus Neuguinea verwechselt werden.
Was ist an dieser Beschreibung nicht ok?
Nun, die Färbung von Schlangen kann durchaus variabel sein, so dass man das als alleiniges Merkmal nicht verwenden kann, da es zu wage ist. Auch die Größe ist so ein Fall. Sie hängt von vielen Faktoren ab, wie z.B. dem Nahrungsangebot und der Größe der Beutetiere, dem Klima und weiteren Faktoren [12][13]. Wenn man nun zwei Tiere (ein L. albertisii und ein L. hoserae) von gleichre Größe nebeneinander hat, wird es schon schwer! Die vielen anderen Merkmale, die helfen sollen, beide Arten voneinander zu unterscheiden, erwähnt Hoser[11] zwar, gibt aber nicht an, welche das sein sollen (ehrlich gesagt, er weiß es auch nicht!). Was den Hinweis auf die DNA-Analyse angeht, so ist es zum einen kein Merkmal, sondern eine Methode[12], die er vorschlägt, zum anderen wurde von ihm keine solche Analyse durchgeführt, und er präsentiert daher auch keine Ergebnisse. Hoser[11] ist bekannt dafür so zu arbeiten: Er untersucht die Tiere nicht (auch nicht die, die er als Typusmaterial vorschlägt), sondern holt seine Informationen aus der Literatur, schreibt Museums-Kuratoren an und fragt nach Merkmalen und Bildern (die er normalerweise nicht bekommt), behauptet einfach Dinge, ohne diese jedoch zu belegen zu können. Die meisten Artenbeschreibungen Hosers[11] sind daher weit unter dem „Standard“, der notwendig wäre um zwei Arten unterscheiden zu können. Dadurch hat er in den letzten Jahren erheblich an Ansehen verloren und eine Menge Verwirrung gestiftet.
Die Population Weisslippenpythons von der Mussau Insel der St. Matthias Inselgruppe im Bismarck Archipel beschrieb Hoser als Unterart Leiopython albertisii barkeri[11]. In seiner Beschreibung unterscheidet er die beiden Unterarten durch:
Zitat (Hoser):[11] This is the subspecies of L. albertisii that is endemic to Mussau Island in the Saint Matthias Group, Bismarck Archipelago. It is separated from L. albertisi albertisi by the mutually exclusive distribution and by analysis of mitochondrial DNA. Übersetzt: Das ist die Unterart von Leiopython albertisii, die endemisch auf der Insel Mussau in der St. Matthias Inselgruppe, Bismarck Archipel ist. Sie unterscheidet sich von Leiopython albertisii albertisii durch ihr isoliertes Vorkommen und aufgrund von Analysen der mitochondrialen DNA.
Unabhängig, wie man zu dem Unterartenkonzept steht, ist alleine das isolierte Vorkommen kein Grund eine Population in einen Unterartenstatus zu erheben, wenn sie sich morphologisch oder genetisch nicht auch von anderen unterscheidet oder sich mit anderen Populationen nicht mehr kreuzen kann (reproduktive Isolation). Sonst könnte man zwei Populationen von Fröschen, die durch eine Autobahn getrennt sind ebenfalls als zwei Unterarten ansehen, da sie sich leben nie treffen würden. Hoser gibt hier also keine Merkmale an, die geeignet sind, diese beiden Unterarten zu unterscheiden.
Weiter schreibt Hoser:
Zitat (Hoser):[11] Ventral counts for this species are near the lower limit for the range for New Guinea L. albertisi. The trait may be used as a potential indicator for the subspecies in the absence of other data. Other scalation counts and properties also overlap with those of the type subspecies. Übersetzt: Die Anzahl an Ventralia für diese Art (Anmerk: Es ist eine Unterart!) ist nahe dem unteren Limit der für Neuguinea-Exemplare von Leiopython albertisii (Anmerk.: in diesem Fall ist es auch eine Unterart, die Nominatform, und so müsste albertisii verdoppelt werden!) gefundenen Werte. Dieses muss als mögliches Indiz für die Unterart verwendet werden, da keine weiteren Daten vorliegen. Andere Schuppenzahlen und Merkmale überlappen ebenfalls mit denen der Typus-Unterart.
Auch hier gibt Hoser keine brauchbaren Merkmale zur Unterscheidung an[11]. Die Ventralia liegen auch nicht im unteren Bereich der bei Neuguinea-Exemplaren gezählten Werte, sondern sehr gut mittendrin!
Neuere Untersuchungen in 2008
Neuere molekulargenetische Untersuchungen der meisten Pythonarten (Rawlings et al., 2008)[14] haben gezeigt, dass die landläufig noch als monotypische Gattung (= die Gattung enthält nur eine Art) Leiopython aufgrund der nahen Verwandschaft (Schwesterarten) zu Bothrochilus boa nicht mehr haltbar zu sein scheint, und beide Arten in eine Gattung einzuteilen sind. Da der Name Bothrochilus Fitzinger älter ist als Leiopython Hubrecht 1879[3], sollten beide Arten in diese Gattung eingeteilt werden. Allerdings zeigen aktuelle Untersuchungen, dass die Gattung Leiopython aus mehreren Arten besteht. Bei dem von Rawlings et al. (2008) untersuchten Material handelte es sich auch nicht um Leiopython albertisii, sondern um Leiopython hoserae aus der Westlichen Provinz Papua Neuguineas. Diese Art unterscheidet sich genetisch deutlich, und ist zudem rund 7 Mio. Jahre älter als der nördliche Weisslippenpython[1]. Schleip (2008)[1] validierte zwei der Arten, die von Hoser (2000)[11] eingeführt aber unzureichend beschrieben wurden. Die von Hoser (2000) beschriebene Unterart Leiopython albertisii barkeri wurde wegen fehlender Beschreibung als nomen nudum angesehen und mit Leiopython albertisii synonymisiert[1]. Des weiteren führte Schleip weitere Arten in die Gattung ein[1].
Insofern bleibt die Synonymisierung der Gattung Leiopython Hubrecht 1879[3] mit Bothrochilus Fitzinger künftigen Untersuchungen vorbehalten.
Zusammenfassung
Es hat sich seit der Erstbeschreibung des Weisslippenpythons viel getan. Einige Einteilungen beruhten auf Missverständnissen, andere wurden nicht belegt. Auch heute sorgen dürftige Beschreibungen neuer Arten und Unterarten für Verwirrung, nicht nur bei Profis, sondern auch in der Terraristik, denn wer kann schon genau sagen, wie ein Leiopython hoserae aussehen muss?
Quellen
Artikel von Wulf Schleip
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Schleip, W.D. 2008. Revision of the genus Leiopython Hubrecht 1879 (Serpentes: Pythonidae) with the redescription of taxa recently described by Hoser (2000) and the description of new species. Journal of Herpetology 42(4):645–667
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Peters, W. and G. Doria. 1878. Catalogo dei retilli e dei batraci raccolti da O. Beccari, L. M. D'Alberts e A. A. Bruijn. nella sotto-regione Austro-Malese. Annali del Museo Civico de Storia Naturale di Genova. ser. 1:401–403, plate III, Fig. 2.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Hubrecht, A. A. W. 1879. Notes III. On a new genus and species of Pythonidae from Salawatti. Notes from the Leyden Museum 14–15
- ↑ Boulenger, G.A. 1893. Catalogue of the snakes in the British Museum (Natural History). Vol. I. London: British Museum (Natural History)
- ↑ Stull, O.G. 1935. A checklist of the Family Boidae. Proceedings Boston Society of Natural History 40:387–408
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Cogger, H. G., E. E. Cameron, and H. M. Cogger. 1983. Zoological Catalogue of Australia. Volume 1. Amphibia and Reptilia. Bureau of Flora and Fauna Canberra. Australian Government Publishing Service, Canberra
- ↑ McDowell, S.B. 1975. A catalogue of the snakes of New Guinea and the Solomon’s, with special Reference to Those in the Bernice P. Bishop Museum. Part II (24.02.1975). Journal of Herpetology 9:1–79
- ↑ Stimson, A.F., and S. B. McDowell. 1986. Liasis Gray, 1842 (Reptilia, Serpentes): Proposed designation of Liasis mackloti Dumeril and Bibron 1844 as type species Z.N.(S)2439. Bulletin of Zoological Nomenclature 43, plate 4
- ↑ Underwood G., and A. F. Stimson. 1990. A classification of pythons (Serpentes, Pythoninae ). Journal of Zoology London 221:565–603
- ↑ Kluge, A. G. 1993. Aspidites and the Phylogeny of the Pythoninae Snakes. Records of the Australian Museum Supplement 19:1-77
- ↑ 11,00 11,01 11,02 11,03 11,04 11,05 11,06 11,07 11,08 11,09 11,10 Hoser, R. 2000. A revision of the Australasian Pythons. Ophidia Review 1:7–27.
- ↑ 12,0 12,1 12,2 Wüster, W., Bush, B., Keogh, J. S., O'Shea, M. & Shine, R. (2001). Taxonomic contributions in the ‘‘amateur’’literature: comments on recent descriptions of new genera and species by Raymond Hoser. Litt. Serpentium, 21, 67-79.
- ↑ 13,0 13,1 Williams, D. W. W. F. B. G. (2006). The good, the bad and the ugly: Australian snake taxonomists and a history of the taxonomy of Australia’s venomous snakes. Toxicon, 48, 919–930.
- ↑ Rawlings, L. H., Rabosky, D. L., Donnelan, S. C. & Hutchinson, M. N. 2008. Python phylogenetics: inference from morphology and mitochondrial DNA. Biological Journal of the Linnean Society, 93, 603–619
Weiterführende Literatur
Bücher
- Barker, D.G. & T.M. 1994. Pythons of the World, vol. 1, Australia. Advanced Vivarium Systems inc.
Artikel
