Arten

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Um zu verstehen und zu beschreiben was Arten sind, bedient man sich verschiedener Konzepte, den sog. Artkonzepten. Diese sind durch Beobachtung der Natur und durch die wachsenden Erfahrungen entstanden. Auch Charles Darwin hat auf Grundlage seiner Beobachtungen die Evolutionstheorie von der Erstehung neuer Arten entwickelt... Heute kennen wir verschiedene Ansätze von Artkonzepten, die letztendlich miteinander konkurrieren. Dabei hat jedes Artkonzepte seine Stärken und Schwächen.

Biologisches Artkonzept (BSC) nach Mayr

„Species are groups of actually or potentially interbreeding populations which are  
reproductively isolated from other such groups.“ (Ernst Mayer 1942, 1967) 

auf Deutsch heißt das soviel wie: "Arten sind Gruppen von tatsächlich oder potentiell sich kreuzender Populationen, die reproduktiv isoliert sind von anderen solchen Gruppen".

Mit reproduktiver Isolation ist aber nicht gemeint, dass sich die Tiere einfach nicht treffen, da ihre Lebensräume sich nicht überlappen, diese also durch geographische Barrieren (Wasser, Gebirge, unterschiedl. Lebensräume etc.) voneinander getrennt sind (= Allopatrie), sondern dass diese Arten sich aufgrund von Gegebenheiten nicht paaren können (unterschiedliche Paarungszeiten, Veränderung der Geschlechtsorgane etc.).

Hier tritt auch schon das erste Problem des BSC auf: Es ist streng genommen nicht anwendbar auf Populationen, die durch geographische Barrieren voneinander getrennt sind (also allopatrische Populationen). Auch asexuelle (ohne spezielles männl. oder weibl. Geschlecht) kann die reproduktive Isolation nicht betrachtet werden und daher ist das biologische Artkonzept strenggenommen auch auf solche Populationen nicht anwendbar. Bei Fossilien kann man ebenfalls die reproduktive Isolation nicht mehr feststellen, lediglich anhand von morphologischen Gegebenheiten vermuten. Verpaaren sich zwei verschiedene Arten erfolgreich und bringen fertile Nachkommen zur Welt, würde es nach dem Biologischen Artkonzept um Mitglieder einer Art handeln. Kreuzungsexperimente zeigen aber, dass sogar Schlangen unterschiedlicher Gattungen fertile Nachkommen hervorbringen können. Kaum jemand würde auf die Idee kommen, diese Mitglieder unterschiedlicher Gattungen wieder in eine Art zu packen.

Das Biologische Artkonzept beinhaltet noch eine weitere Schwäche, denn Arten entstehen über (längere) Zeiträume aus einer vorherigen (evtl. gemeinsamen Art). Da das Biologische Artkonzept die Dimension Zeit nicht mit erfasst, ist es vor allen Dingen für Parleontologen nicht wirklich anwendbar. Wenn Arten aussterben oder sich aus einer Art weitere Arten ausbilden, die Ursprungsart jedoch ausstirbt... Dafür wurde ein weiteres Konzept entwickelt (s.u.)

Kurz gesagt, das Biologische Artkonzept ist nicht anwendbar auf:

Phylogenetisches Artkonzept

(nach Simpson 1961, modifiziert von Wiley 1978, 1981):

"An evolutionary species is a single lineage of ancestor-descendant populations which 
maintains its identity from other such lineages and which has its own evolutionary 
tendencies and historical fate". 

Dabei wird als 'lineage' eine Serie von Populationen mit einer gemeinsamen Abstammungsgeschichte (gleiche Vorfahren) bezeichnet.

Hier mal einige Zitate, die vielleicht erklären, was mit diesem Konzept gemeint ist:

"Eine (evolutionäre) Art wird allgemein als geschlossene Abstammungsgemeinschaft aus einer 
bis vielen Populationen verstanden." 
"Nach dem evolutionären oder phylogenetischen Artkonzept sind zwei Individuen 
beliebigen Geschlechts dann zu einer Art gehörig, wenn sie sich zeitgleich 
auf einer phylogenetischen Linie befinden. Anders ausgedrückt: Arten entstehen 
durch den Vollzug einer Artspaltung, durch Speziation zweier reproduktiv 
isolierter Teilpopulationen von Individuen, genannt Tochter- oder Folgearten. 
Sie bilden wieder die Linien von kontinuierlich aufeinander folgenden Generationen 
von Individuen." 
"Arten enden entweder, wenn a) alle Individuen der Art nachkommenlos 
erlöschen (aussterben) oder b) mit einer erneuten Artspaltung; dann wird 
die erloschene Art zur Stammart des neuen Tochterpaares." 

lmet2.pdf Quelle

Eine interessante Diskussion zu den Arten und den Unterschieden der Konzepte findet man auch hier.

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